Im August 2016 war unsere Feuertaufe. Reisen mit der Bahn als Schwerbehinderte, Begleitperson und Rollstuhl in Deutschland.
Ganz unbedarft machten sich meine Mutter und ich auf den Weg. Online über Bahn.de buchten wir unsere Fahrkarte.
Da meine Mutter zu 100% schwerbehindert und nur mit Begleitperson reisen kann, haben wir auch nur eine Fahrkarte für den ICE buchen müssen.
Die Begleitperson reist bei der Deutschen Bahn nämlich kostenlos mit.

Morgens um 8 Uhr machten wir uns auf zum Bahnhof in Nürnberg. Das Ticket war gebucht und zwei Plätze im Zug reserviert.
Am Bahnsteig angekommen standen dort schon mehrere Zugbegleiter, die scheinbar zusteigen wollten. Ich sprach sie bzgl. des Rollstuhls an und bat um Unterstützung beim Einsteigen.
Die Dame fragte mich fast schon entsetzt, ob wir keine Einstieghilfe gebucht hätten. Ich sah sie ungläubig an und verneinte das.
Sie bat uns ihr zu folgen zu dem Bereich, in dem der Wagen 9 hält. Sie erklärte uns, dass Rollstuhlfahrer bestimmte Rollstuhlplätze im Zug hätten, die man über den Mobilitätsservice der Bahn buchen kann. Diese befinden sich meist im Wagen 9. Dort stand auch schon ein Herr mit einem Elektrorollstuhl und Begleitperson und wir warteten nun gemeinsam auf den Zug.
Eine Laderampe stand auch schon bereit, über die Rollstuhlfahrer in den Zug gehoben werden können. Vorausgesetzt sie können nicht alleine einsteigen wie meine Mutter.

Der Zug fuhr ein und meine Mutter stieg natürlich selbst in den Zug und ein freundlicher Mann half uns den Rollstuhl in den Zug zu heben. Die Zugbegleiterin von vorher führte uns zu unseren Plätzen. Sie erwähnte nochmals, dass wir Glück gehabt haben, weil noch Rollstuhlplätze frei waren. Die reservierten Plätze in der 2. Klasse waren somit also hinfällig.
Wir richteten uns auf unseren Plätzen ein und langsam realisierten wir, dass wir in der ersten Klasse gelandet waren. Ohne jeglichen Aufpreis.
Nach meiner Erfahrung sind die Rollstuhlplätze immer in der ersten Klasse (beim ICE). Nachdem wir diese Erkenntnis einigermaßen verarbeitet hatten, ging es los. Die Zugbeleiter waren sehr nett und wir fühlten uns wohl.
Leider ging der Zug bei der Ankunft in Lüneburg kaputt und es stand ein Zugwechsel an. Hier waren wir dann ein wenig auf uns alleine gestellt und alles ging etwas drunter und drüber.
So war es natürlich sehr schön, dass meine Mutter noch laufen kann und wir ohne große Probleme den Zug wechseln konnten, um weiter nach Hamburg zu fahren. Sehr nette Menschen halfen uns beim Einsteigen, boten meiner Mutter einen Platz an (der Zug war überfüllt). So kamen wir nach dem kleinen Schreck heil in Hamburg an.

Die nächste Herausforderung stand bevor. Unser Plan war mit der S-Bahn nach Norderstedt zu fahren. Im Vorfeld hatte ich schon recherchiert und herausgefunden, dass wohl ein Teil der Strecke gesperrt war und ein Umstieg in den Bus notwendig wird. Wir wollten kurzfristig entscheiden, wie wir ab der gesperrten Strecke weiterfahren würden.

Angekommen im Hamburger Hauptbahnhof machten wir aus auf die Suche nach einem Aufzug zur S-Bahn. Unsere Suche führte uns etwas abseits vom Bahnhof in eine eher weniger vertrauenserweckende Ecke des Bahnhofs. Es war wirklich eine Suche, weil die Ausschilderung am Bahnhof nicht die beste ist. Letztendlich fanden wir unseren Aufzug zur S-Bahn. Auf der 1. Ebene der S-Bahn führten uns die Schilder wieder in ganz entfernte, stille Ecken zu weiteren Aufzügen, um auf die Gleise zu gelangen. Wenn ich ehrlich bin, fühlten wir uns nicht so sicher und wohl.
Heute würde ich es anders machen und an einem der anderen Bahnhöfe in Hamburg aussteigen oder umsteigen.

Beim Einsteigen in die S-Bahn fanden wir auch wieder sehr nette Menschen, die uns halfen. Wir fuhren dann bis zur Endhaltestelle und beschlossen uns für die Reststrecke ein Taxi zu gönnen.

Nun mein Resümee:
Das Reisen mit der Bahn (Fernstrecken) und Rollstuhl ist sehr komfortabel.
Ein wenig Vorbereitung ist notwendig und hilfreich. Es darf nur nichts dazwischen kommen. Aber wenn man offen ist, werden sich immer Lösungen finden.

Hier geht‘s zum Mobilitätsservice der Bahn. Lesen Sie sich einfach ein bisschen schlau.